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Dass wir vor dem Einbruch der Dunkelheit auf keine
asphaltierte Strasse kommen würden war offensichtlich und wir
waren entschlossen, in einem der umliegenden Dörfer nach einer
Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Nach einer halben Stunde
und lediglich sechs Kilometer Wegstrecke sahen wir auf einer Anhöhe
ein kleines Dorf - getrennt allerdings durch einen halben Meter
hohen Fluss, der die Strasse weggespült hatte. (Am nächsten
Morgen, als der Regen nachgelassen hatte, entpuppte sich das Gewässer
als gerademal 10 cm tiefes Rinnsaal). Augen zu und durch! Wie beim
Kajakfahren, sich mit dem Motorrad gegen den Strom lehnen, um nicht
umzukippen. Geschafft!
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Die Bewohner des Dorfes mögen auf viele Situationen
vorbereitet sein, aber sicher nicht auf komplett in Schlamm getauchte
Motorradfahrer, die zu schon fast nächtlicher Stunde in ihr
Dorf fahren und um ein Nachtasyl bitten.
Ein besonnen wirkender Mann in meinem Alter schien
der Dorfführer zu sein und beriet sich mit den umstehenden
Leuten, was zu tun sei.
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Ein Akha Dorf in den Bergen
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Was tun mit den Besuchern?
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Ein Unterstand für
unsere Fahrzeuge wurde schnell ausfindig gemacht und unmittelbar
darauf sahen wir uns von Kindern umringt, die uns mit Süssigkeiten
und Snacks versehenen Geschenken frohe Weihnachten wünschen.
Nun - einige Stämme der Akha's sind dem Christentum
zugewandt und es war der 25. Dezember. Wir befanden uns also mitten
in den Vorbereitungen zum Weihnachstfest.
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Man brachte uns trockene Kleidung, zeigte uns das
liebevoll mit Wolldecken ausgestattete Nachtlager in einer kleinen
Hütte und wies uns an, auf dem regengeschützten Unterstand
platzzunehmen, um das Nachtessen gemeinsam einzunehmen.
Vor dem Essen wurde das "Vater unser"
in einer mir vollkommen fremden Sprache gebetet. Darauf entschlossen
sich meine polnischen Begleiter spontan, ihre Version hinzuzufügen,
worauf ich natürlich nicht nachstehen wollte, und meinerseits
den deutschen Teil beitrug.
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Beim Essen ergab sich ein interessantes Gespräch
über die Zukunft der hiesigen Dörfer, wobei unser Guide
als Übersetzer vom Akha ins Englische und umgekehrt betätigte.
Der intelligente und aufgeschlossene Stammesführer
ist sich der Verwässerung seiner eigenen Kultur (nicht zuletzt
durch uns Touristen) und dessen Auswirkung auf seine Gemeinde
sehr wohl bewusst, möchte aber insbesondere die Möglichkeiten,
die sich den Kindern durch Schul- und Ausbildungen in den grösseren
Ortschaften im Tal bieten, den Jungen im Dorf nicht vorenthalten.
Ich erkläre ihm die Sitution in unseren Bergregionen,
der teilweise erhalten gebliebenen Traditionen und Bräuche
einerseits, die Erstellung von künstliche Städten inmitten
der Berge für den Tourismus andererseits und zeige einige mitgebrachten
Fotos.
Vielleicht wird sich ihre Geschichte in einigen
Jahren der unseren ähneln und je länger die interessante
Diskussion dauert, frage ich mich, ob wir wirklich so verschieden
sind - die Analogien zwischen meinen Gross- und Urgrosseltern in
der berner Alpenregion und hier scheinen offensichtlich und lediglich
zeitlich versetzt.
Nach dem Essen nahmen einige Frauen und Männer
ihre Instrumente in die Hand - das Weihnachtsfest hatte begonnen
und auch das Wetter hatte sich dankenswerterweise beruhigt, so dass
der Feier unter freiem Himmel nichts im Wege stand.
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Gruppe am wärmenden Feuer

Weihnachtsfeier im Akha Dorf
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Junge Frau am Conga spielen
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Verschiedene Tänze
und Spiele, in denen insbesondere die Kinder miteinbezogen wurden,
wechselten sich ab.
Wir versuchten so gut es ging mitzumachen; die
Tanzschritte erweisen sich als recht schwierig für uns. Das
permanente "aus dem Rhythmus fallen" von uns Fremden trug
zum allgemeinen Vergnügen bei.
Die Feier, die bis spätnachts dauerte, war
ein aussergewöhnliches Erlebnis für uns Reisende. Mittendrin
und fernab eines bei uns mittlerweile zu einem rein kommerziell
verkommenen Anlasses feierten wir Weihnachten so wie sie eigentlich
ursprünglich auch bei uns mal gedacht war: Als eine Begegnung
unverfälschter Freude.
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Wir verliessen das Akha Dorf am frühen Morgen
mit den besten Wünschen des Stammesführers für unsere
Weiterreise. Ich verliess das Dorf mit einer Spur Wehmut.
Die Mischung zwischen Spontanität, Gastfreundschaft,
aber auch dem Willen in einer intakten Gemeinschaft Veränderungen
zu begenen, hat mich tief beeindruckt und wird zeitlebens in Erinnerung
bleiben.
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