Skysorata - Bergtouren in den bolivianischen Königskordilleren
Datum: Dienstag, 28.Oktober. @ 10:17:35 CET
Thema: Activities


Peter Pruckner, geboren 1958 klettert seit 30 Jahren und kennt, viele schwierige Wand durchstiege in den Alpen, sowie Nord- und Südamerika. 1986 verlegte er seinen Schwerpunkt auf das Bergsteigen in die Anden, wo ihm schwierigste Touren wie zb. die Huandoy Norte Nordwand in Peru im Alpinstil oder die die grosse Illampu-Überschreitung in Bolivien, glückte.

Seit 1986 stand Peter Pruckner auf mehr als 60 Gipfeln in den Peruanischen und Bolivianischen Anden. Davon 50 mal mit Kunden, auschliesslich in den Cordillera Illampu.

1990 gründete Peter Pruckner Sky Sorata und lebte von 1996 bis 2001 mit seiner Frau und seinem Sohn in Sorata, Bolivien. In diese Zeit hatte er eine Touristen Office an der Placa von Sorata und war ständig in den Bergen unterwegs.

Sky Sorata wird heute von einem Freund und Partner weitergeführt, Peter Pruckner lebt inzwischen wieder in München und leitet die Geschicke des Unternehmens von Europa aus.

Peter hat für uns einen Artikel über die Cordillera Real verfasst, der Einblicke in ein beinahe vergessenes Juwel der Anden eröffnet.

Steil schnauft sich der Bus raus aus La Paz, den Blick freilegend auf den Illimani. Dann geht's vorbei am Huayna Potosí und dem Condoriri, weit hinauf, hoch zum Altiplano bis auf 4.400 Meter Höhe.


Auf dem Titikakasee

Nach fast fünfstündiger Fahrt von La Paz aus, über das eisige und windzerzauste Altiplano, auf der einen Seite die Laguna Titicaca, auf der anderen Seite immer mit Blick auf die berühmten Berge, erreichen wir einen einsamen Passübergang. Hinter diesem Übergang beginnt nun endlich die Strasse nach Sorata, und bricht dann noch weiter bis in den Dschungel ab. Auf langen Serpentinen, der Bus eng an den Hang geklebt, schrauben wir uns hinunter nach Sorata. Nach einer langen letzten Serpentine, haben wir plötzlich freien Blick auf den Illampu und den Ancohuoma.


Der Illampu von Sorata ausgesehen.
Links der grosse Nordost Grat

Kontrastreicher kann man sich den Übergang kaum vorstellen. Plötzlich befinden wir uns inmitten von bunten Pflanzen und fremdartigen Gerüchen. Bunte Gassen schneiden sich eng durch das im Kolonialstil erbaute Centrum. In einer verwirrenden Vielzahl von Gassen und kleineren, bunten Geschäften verlieren wir uns im Treiben.


Der Illampu. Deutlich kann man links seinen Nordostgrat erkennen,
den es bei der Überschreitung zu meistern gilt.
Der Grat rechts ist der Normalaufstieg.

Der Nordostgrat wurde zuerst von
Heinz Zembsch und Gefährten 1972 bestiegen.

Einzigartig baut sich der Illampu hinter der Plaza von Sorata auf. Das Auge fliegt über die Dächer hinweg, durch das Grün der Palmen, ungehindert hoch, hoch bis zu den eisigen Gipfeln. Unvorstellbare 3700 Meter bricht der Illampu hinauf, hier noch das Grün und das milde Klima, oben das Eis und der blaue Himmel.


Der Hauptplatz in Sorata

Das ist es, was mich an diesem Gebirge am meisten fasziniert. Du kannst direkt los, raus aus dem Hotel und los gehts. Auf dem Weg hoch in die Berge durchstreifst du die verschiedenen klimatischen Regionen, langsam bleibt das tropische Grün zurück und es geht hinauf in die "letzten" Dörfer und Wiesen, die versteckten Lagunen, in das Reich der Lamas. Noch weiter hinauf über die hohen Pässe, bis hin zu den frostigen Gletschern.

Die Königskordilleren sind noch immer ein einsames Gebiet. Tummeln sich auf den anderen berühmten Bergen Boliviens oft Hunderte von Bergsteigern in einer Saison auf den Gipfeln, finden wir hier noch immer Einsamkeit pur. Einsame, ursprüngliche Trekks und selten bis gar nie bestiegene Gipfel. Das mag vielleicht damit zu tun haben, das keiner der Berge richtig einfach zu besteigen ist, vielleicht auch an den 5 Stunden Anfahrt von La Paz aus. Aber genau kann ich es nicht sagen. Es ist so und ich bin eigentlich froh darüber.

Als wir das erste Mal, es war 1988, hierherkamen, als Ausweichziel für Peru, bekamen wir am Anfang den Mund vor Staunen gar nicht mehr zu. Wir waren überwältigt von der Schönheit des Gebietes. Wir hatten das ganze Gebirge buchstäblich für uns allein, nicht einmal die Einheimischen wussten immer genau, wie man in die verschiedenen Basislager kommt. Und manche kurios-heitere Geschichte könnte ich aus unseren Anfangszeiten erzählen.


Norbert Swoboda und Peter Pruckner (1988)
im Hintergrund der Pico Norte

Die Schönheit des Gebirges und das freundlich, sonnige Gemüt der Aymara-Indinaner hielt uns gefangen. Unser damaliges, ehrgeiziges Ziel, eine schwere Felsroute am Pico Norte zu wiederholen, gaben wir bald auf. Dafür aber gelangen uns andere wunderschöne Besteigungen. Und immer mehr reifte der Entschluss in mir, dieses gewaltige Gebiet für meine Führerarbeit zu nutzen.


Der Illampu Südgipfel bei der
Überschreitung vom Nordgipfel aus gesehen.

Ein Jahr später kamen wir wieder und ich hatte schon meine ersten Kunden dabei. Wir hatten eine erfolgreiche Saison, fünf Gipfelbesteigungen und wunderbare Tage in den Bergen. Die Kunden flogen wieder nach hause und ich blieb. Mein damaliger Seilpartner Heinz Enz überredete mich zum Saisonende noch zu einer grossen Tour. Uns gelang dann die erste Gesamtüberschreitung vom Pico Esperanza bis hin zum Illampu.

In der kommenden Saison ging es weiter mit meiner Führungsarbeit. Die ich bis zum heutigen Tage leidenschaftlich gern betreibe. Nach all den Jahren in diesem Gebirge, nach unzähligen Gipfelaufstiegen mit unseren Kunden, kenne ich das Gebiet in- und auswendig. Wir haben uns eine zuverlässige Logistik aufgebaut und sichere Routen erschlossen, was unserer Erfolgsrate bei den Führungstouren ungemein zugute kam. Und es macht noch immer Spaß, viel hat sich ja nicht geändert.

Peter Pruckner, Okt. 03

Links:

  • Sky Sorata Homepage





  • Dieser Artikel kommt von OUTDOOR.ch
    http://www.outdoor.ch

    Dies ist die Printversion dieses Artikels. Das Originaldokument befindet sich hier:

    http://www.outdoor.ch/modules.php?name=News&file=article&sid=105