Bergtour in den Karnischen Alpen.
Datum: Montag, 28.April. @ 10:07:31 CEST
Thema: Activities


Obwohl das mit etwa 100 km zweitlängste Kettengebirge der Südlichen Kalkalpen, und mit seinem west-östlich verlaufenden Kamm die politische Trennlinie zwischen Österreich und Italien ist, ist der Karnische Hauptkamm (von ihren Kennern kurz "Karnier" genannt) ein doch immer noch ruhiges, im Vergleich zu den benachbarten Dolomiten eher vernachläßigtes Gebiet für einsamere, aber trotzdem abwechslungsreiche alpinistische Unternehmungen.

Kurzbeschrieb:

Zwischen den Eckpunkten Toblach und Villach und begrenzt vom Obergail- und Lesachtal im Norden, den Sextener Dolomiten und der Linie Paluzza-Pontebba-Arnoldstein im Süden, liegt dieses mächtige Felsengebirge, das aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit dem Kletterer vielfältiges Gestein (vom Schlerndolomit bis zu Wettersteinkalk), dem Bergwanderer einmalige Pflanzenarten zu bieten hat: Die berühmte Wulfenia hat im Bereich des Naßfeldes, die Große Teufelskralle in der Nordwand des Gartnerkofels ihren einzigen Standort innerhalb Kärntens. Es gibt drei deutlich abgegrenzte Abschnitte: Thörl-Maglern bis Naßfeldpaß; Naßfeldpaß bis Plöckenpaß und Plöckenpaß bis Kreuzbergpaß. Der alpinere Teil ist der westliche Teil vom Kreuzberg -zum Plöckenpaß.

Tourenbeschreibung:

Karnischer Hauptkamm - westlicher Teil. 1-wöchige Hüttentour: Ausgangspunkt ist Kartitsch. Von dort auf die Obstanserseehütte - Filmoor-Standschützenhütte - Neue Porzehütte - Hochweisssteinhaus - Wolayerseehütte (ehemalige Eduard-Pichl-Hütte).

Der Kammverlauf erstreckt sich fast genau von West nach Ost. Das reizvolle an dieser Durchschreitung ist, das man mal auf der Nord- mal auf der Südseite gehen kann. Berggipfel, an denen man vorbeikommt, z.T. versichert, laden zu einer Besteigung ein. Wenn man genügend Zeit (mind. 7 Tage) hat, sollte man die Tour von Sillian starten um die 1. Etappe auf die Sillianer Hütte aufzusteigen. Da wir nur knapp 1 Woche Zeit hatten, war der Ort Kartitsch 1358 m im Lesachtal unser Ausgangspunkt für diese Tour.

Anreise:

Mit der Bahn bis Lienz. Von dort fahren Busse nach Sillian oder auch nach Kartitsch. Oder mit PKW entweder von Norden über den Felbertauerntunnel - Lienz - Sillian, und dann evtl. weiter nach Kartitsch, in dem man vor Sillian in Fahrtrichtung links ab in das Lesachtal fährt.

1. Tag:

Aufstieg von Kartitsch zur Obstanserseehütte 2304m. Südlich von Kartitsch (am Gasthof "Waldruhe") endet eine schmale Strasse, an deren Ende sich ein Parkplatz befindet. Dies ist gleichzeitig auch der Beginn der Bergtour durch das schöne Winklertal hinauf auf die Obstanserseehütte 2304m. Wie der Name schon vermuten lässt, liegt die Hütte an einem schönen Bergsee, von wo auch der westl. Karnischer Höhenweg von der Sillianer Hütte kommend, anschliesst.
Gehzeit: 2:30 h - Wegstrecke Sillianer Hütte zur Obstanserseehütte ist eine Gehzeit von 5 - 6 h zu rechnen.

2. Tag:

Übergang von der Obstanserseehütte - Obstanser Sattel - Pfannspitze - Filmoor Sattel - zur Filmoor-Standschützenhütte. Auch wenn man direkt nördlich der Hütte den Karnischen Höhenweg weitergehen kann, entschieden wir uns für den längeren Weg. Von der Obstanserseehütte, westlich am See vorbei, dann steiler werdend auf den Obstanser Sattel 2453m. Von dort ein unvergesslicher Blick auf die Sextener Dolomiten. Nun geht der Weg wieder in Richtung Norden, aber die Höhe haltend, direkt auf den Gipfel der Pfannspitze 2678m.

Auch wenn man erst knapp eine Stunde unterwegs ist, für diesen Gipfelblick (bei entsprechendem Wetter vorausgesetzt) sollte man eine lange Pause einplanen. Der Blick reicht in Norden weit in die Defregger Alpen, dahinter die Venediger Gruppe, anschließend die Glocknergruppe, Tauern, Schobergruppe und im Vordergrund die Lienzer Dolomiten. Im Osten der Kleine und Grosse Kinigat, direkt am Karnischen Hauptkamm gelegen und gegen Süden immer wieder der Blick auf die Dolomiten.

Der Weiterweg (fast immer auf der Grenze zwischen Österreich und Italien) ist gemütlich, und verläuft auf der Südseite des Karnischen Hauptkammes. Nach einer weiteren Stunde erreicht man den Fuß der Südwand des Grossen Kinigat 2689 m. Über eine Rampe, die von Ost nach West durch die Wandflucht des Gr. Kinigat verläuft, kann man über einen leichten z.T. versicherten Steig zum Gipfel gelangen. Ein umwerfender Gipfelblick ist der Lohn der Mühe. Wir hatten die schweren Rucksäcke in einer Felsnische am Beginn des Steiges deponiert. Abstieg wie Aufstieg. Anschließend gingen wir bis zum Filmoor-Sattel 2453m und von dort in ca. 20 min. bis zur Filmoor- Standschützenhütte 2350m.
Gehzeit mit Gipfel des Gr. Kinigat: 4,5 h

3. Tag:

Von der Filmoor-Standschützenhütte - Heretsattel zur Porzehütte. Der alpinere Teil des Weges führt zum Filmoor-Sattel und von dort südl. des Kammes entlang zur Porze Hütte. Wir entschieden uns für den nördl. Teil des Karnischen Höhenweges (Weg-Nr: 403), und erreichten nach 3 h Gehzeit die Porzehütte 1930m.
Gehzeit: 3 h.

Variante:
Man kann auch tagszuvor vom Filmoor-Sattel direkt bis zur Porzehütte mit einer Gesamt-Gehzeit von 4h (ohne Gipfelbesteigung des Gr. Kinigat) durchgehen, dann würde die Etappe am 2. Tag auf eine Gehzeit von rund 8 h kommen !

4. Tag:

Von der Neuen Porzehütte bis zum Hochweißsteinhaus. Dies ist die längste Etappe. Bei Gewitterneigung sollte man lieber den nördl. Wegverlauf wählen, da dieser Weg nicht auf dem Grat verläuft. Auch befindet sich auf halbem Weg eine Biwakschachtel "Mitterkarhütte" (nicht versorgt), die man bei Bedarf nutzen kann.

Wir gingen den Grat -bzw. den südlichen Wegverlauf, erst hinauf zum Tilliacher-Joch 2094m. Dann östlich auf schönem Bergpfad über etliche Scharten, immer auf einer Höhe von ca. 2200m in Richtung unserem Ziel, dem Hochweißsteinhaus. Noch beeindruckt durch das starke Gewitter vom Vortage, und das herannahende Gewitter in unserer Richtung, verließen wir den Kamm und stiegen am "Luggauer Sattel" (Landesgrenze zwischen Osttirol und Kärnten) weglos in Richtung Italien ab.

Nach 1 h trafen wir wieder auf einen gekennzeichneten Weg der uns zu einer kleinen Hütte führte. Auch wenn unser italienisch nicht das beste war, man hatte uns verstanden, und man kochte uns ein schmackhaftes Gericht und dazu gab es eine schöne Flasche Rotwein.

Doch ca. 2 - 3 h Gehzeit lagen noch vor uns. Die Beine sind durch das üppige Essen und dem Rotwein schwerer geworden. Nach einer guten Stunde war das von uns angekündigte Gewitter zwar immer noch nur von weitem zu hören, doch dafür kam der Regen. Wir quälten uns bis zum Hochalpjoch 2260m hinauf, der Regen hörte endlich auf, doch anstatt Aussicht hatten wir nur eine Sicht von ein paar Metern. Laut Karte stand uns nur ein kurzer Abstieg bis zur Hütte bevor. Die Vermutung bestätigte sich. Nach einer guten 1/2 Stunde waren wir an dem Hochweißsteinhaus 1868m angekommen.
Gehzeit: 8 h - 10 h (je nach Kondition) Bei unsicherem Wetter kann man auch nordseitig den Grat/Kammweg umgehen, dann ist der Weg allerdings erheblich länger: 11 - 13 h !

5. Tag:

Gipfeltag: Vom Hochweißsteinhaus über den Passo di Sesis zum Rifugio Calvi. Dann über den Klettersteig "Via Piero Sartor" zum Gipfel des Monte Peralba 2694m (Hochweißstein). Mit leichtem Rucksack ging es heute auf dem Monte Peralba, oder auch Hochweißstein 2694m.

Vom Hochweißsteinhaus geht es wieder zum Hochalpjoch. Von dort hinüber zum Bladner Joch. Der Weg führt in Richtung Rifugio Calvi. 15 min. v.d. Hütte zweigt ein schmaler Steig zum Einstieg des Monte Peralba in Richtung Norden ab. (Abzw. ist markiert). Der Steig ist fast durchgehend mit Drahtseil versichert, zu Beginn ist eine 5 m hohe fast senkrechte Leiter zu überwinden. Der Steig ist an manchen Stellen leicht ausgesetzt. Im oberen Teil bis zum Gipfel ist der Steig nur noch schrofig und auch nicht mehr versichert, was aber auch nicht nötig ist.

Vom Gipfel bietet sich ein unvergessliche 360 º Grad Panorama-Blick auf die umliegenden und fernen Berge. Abstieg wie Aufstieg oder leichter über eine gesicherte Schuttrinne (nordöstlich) wieder zum Hochalpjoch. Wir kehrten noch in das Rif. Calvi ein, und nach einer ausgiebigen Rast waren wir wieder abends auf dem Hochweißsteinhaus.
Gehzeit insgesamt: 5 h

6. Tag:

Vom Hochweisssteinhaus zur Wolayerseehütte (ehemalige Eduard-Pichl-Hütte). Vom Hochweißsteinhaus geht es über das Öfner Joch 2011m über den "Kärntner Grenzweg" hinab bis zu einigen verlassenen Häusern auf gut 1500m Höhe. Danach steigt der Weg gemächlich bis zum Giramondo-Pass 1971m an. Vom Pass erst steil absteigend bis zur Oberen Wolayer-Alm, dann wieder hinauf bis zur Wolayerseehütte 1960m (ehemalige Eduard-Pichl-Hütte) am gleichnamigen See gelegen.
Gehzeit: 6 - 8 h, je nach Gehtempo.

7. Tag:

Von der Wolayerseehütte Abstieg zur Unteren Valentinalm. Leider brach ab diesem Abend das Wetter komplett ein. Die ganze Nacht hindurch hatte es geregnet, und auf den Bergspitzen blieb bereits der erste Schnee liegen. Die Besteigung evtl. der Hohen Warte war damit in den nächsten Tagen nicht mehr möglich, da der recht unwegsame Aufstieg fast durchweg nordseitig verläuft. Wir packten unsere Sachen und stiegen über den Karnischen Höhenweg in Richtung Osten bis zur Unteren Valentin-Alm 1200m ab. Gemeinsam mit anderen Bergsteigern bestellten wir uns ein Sammeltaxi, das uns wieder zurück über Kötschach-Mauthen bis nach Kartitsch, unserem Ausgangspunkt, brachte.
Gehzeit: 3,5 h

Anforderungen dieser Tour:

Schwierigkeiten: Unschwierige Kammwanderung mit großartigen Ausblicken auf die Sextener -und Lienzer Dolomiten, sowie den Hohen Tauern, Kreuzeck -und Schobergruppe. Lediglich die Besteigung des Gr. Kinigat und/oder des Monte Peralba (Hochweißstein) erfordern Trittsicherheit. (Beide Anstiege sind an den wichtigsten Stellen mit Drahtseilen versichert.) Besonderheiten: Diese Bergwanderung ist auch mit ausdauernden Kindern ab 10 Jahren möglich.

Wer die dazugehörigen Bergfotos nebst nützlichen Links zu den betreffenden Berghütten sehen möchte, klicke unten auf diesen Link, gehe dann zur Rubrik Österreich -> Karnische Alpen

Link:

  • www.Bergfotos.com





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