Die Wasserhyazinthe - Von der Wasserplage zur Nutzpflanze
Datum: Mittwoch, 07.Mai. @ 11:28:01 CEST
Thema: Länder Infos


Die Wasserhyazinthe stammt ursprünglich aus den mittelamerikanischen Urwäldern. Etwa 1880 wurde sie von europäischen Pflanzenexperten zur Zierpflanze kultiviert und auf der Insel Java neu angesiedelt.

Als Rama V., der fünfte Chakri-König, 1901 die Insel besuchte, wurde von seiner Gefolgschaft eine Vielzahl an Pflanzen selektiert, die nach Siam mitgenommen werden sollten. Unter den ausgesuchten Pflanzen war auch die Wasserhyazinthe, die den Namen „Phak Tob Chava“ bekam.

An vielen Stellen um den Königspalast und an den zahlreichen Kanälen (Klongs) wurde die neue Pflanze Phak Tob Java mit anfänglicher Begeisterung gepflegt. Bereits nach wenigen Jahren hatte sich die Wasserhyazinthe als eine schnellwachsende Wucherpflanze entpuppt, die im Begriff war, nicht nur die Klongs, sondern sämtliche Wasserwege regelrecht zu verstopfen. Erst Rama VI. erkannte vollends die Gefahr und erließ 1913 die Verordnung, dass die Wasserhyazinthe als Schädlingspflanze ersten Ranges unverzüglich als solche behandelt wird.

Nicht nur im alten Siam begann ein regelrechter Kampf gegen die Wasserplage, auch in Gebieten von Australien, Japan und in den Südstaaten der USA wurden wahre Vernichtungsfeldzüge unternommen, um ihr jegliche Existenzmöglichkeit zu entziehen. So wurden verschiedene Mähmaschinen dazu eingesetzt, chemische Mittel ohne Bedenken versprüht und sogar Feuerherde gelegt. Alles war erfolglos, die widerstandsfähige Pflanze überlebte!

Forschungsprojekt Wasserhyazinthe

Nun begann eine plötzliche Trendwende und ein Umdenken der Wissenschaftler. Wenn sich diese Pflanzenart nicht erfolgreich vernichten lässt und derart widerstandsfähig ist, so könnte man ja vielleicht dieses Pflanze in irgendeiner Form nutzen. Wissenschaftler erforschten die Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze. Weil sie viel Protein enthält, wurde sie als Kraftfutter für die Viehwirtschaft und Fischzucht eingesetzt. Ebenso konnte sie als Dünger verwendet werden, wie auch in der Papierindustrie. Am Ende jedoch waren alle Experten noch skeptisch, da die Nutzungsmöglichkeiten nicht produktiv genug erschienen. Anfang der achtziger -Jahre kamen die Forscher des US National Space Institut resigniert zur Auffassung, dass die Wasserhyazinthe sich wohl am besten dazu eigne, sich auf dem Mars erfolgreich zu vermehren.

Wissbegierig wurden die Wissenschaftler aber, als sie die Fasern der Pflanze näher untersuchten und daraus Fäden verspannten. Die Laboruntersuchungen stellten unerwartet fest, dass in ihnen überdurchschnittliche Spuren von Schwermetallen aus absorbierten Abwässern enthalten waren.

Dies wurde jetzt näher untersucht, und dabei traten erstaunliche Ergebnisse hervor. So konnte die Wachstumsgeschwindigkeit und Vermehrung ziemlich genau ermittelt werde. Pro Tag (!) erzeugt die Wasserhyazinthe 3-4 neue Ableger, was in einer Woche bis zu 28, und in einem Monat bis zu 120 neue Ableger wären. Nach nur 6-8 Wochen Wachstum ist jede einzelne Pflanze dazu fähig, wirksam metallische Schadstoffe und sogar Ölfilme von der Wasseroberfläche zu absorbieren. Nach 4 Monaten Wachstum, wenn die höchste Wachstumsgröße erreicht ist, wird die Pflanze zum „Schadstoff-Fresser“. Nach 5 Monaten müssen die älteren Pflanzen entfernt werden, damit sie nicht absterben und das Wasser wieder verunreinigen. Aufgrund dieser Ergebnisse wird seit einigen Jahren von den NASA-Laboratorien am Mississippi erfolgreich die Wasserhyazinthe als ökologisches Reinigungssystem weiter erprobt.

Die Nutzung in Thailand

In Thailand wird seit fast 20 Jahren die ländliche Bevölkerung dazu angeregt, die Wasserhyazinthen von den Rändern der Flüsse und Klongs zu entfernen und in der Sonne zu trocknen. Aus den gewonnenen Blumen Stengeln werden, nachdem sie genügend getrocknet sind, kunstvolle Konsumgüter geflochten, womit ein zusätzliches Einkommen in einigen Regionen gesichert wird.

Es dauerte viele Jahre der Aufklärung, bis sich das neue Material in der Heimindustrie Thailands durchsetzen konnte. Seit Generationen waren die Handwerker daran gewöhnt, mit härteren Materialien wie Bambus oder Rattan zu arbeiten. Deshalb wurden die traditionellen Werkstoffe weiterhin benutzt und der neue Werkstoff nicht für extrem bedeutungsvoll gehalten. Erst als die Preise für Bambus immer mehr stiegen und Rattan seltener wurde, gab es bei einigen betrieben ein Umdenken. Schließlich hat die pflegeleichte Wasserhyazinthe den Vorteil, fast umsonst, im Überfluss nachzuwachsen.







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