Zentral-Vietnam: Countryside - My Son

My Son
Die heilige Stätte der Cham

Der Weg nach My Son

Es ist morgends um 7 als wir in Hoi An einen klapperigen Lada besteigen. Unser Ziel ist die alte Tempelstätte der Cham - My Son, das übersetzt "schöner Berg" heisst. Wir verlassen Hoi An Richtung Tra Kieu im Westen. Die Strecke beträgt etwa 25 Kilometer, da jedoch die Strassen immer schlechter werden, braucht man gut eine Stunde um schliesslich in einen kleinen Weiler zu gelangen.



Der Ort lebt ausschliesslich von den herkommenden Touristen und jedes Haus ist zugleich eine Bar oder ein Restaurant. Trotzdem: Von überlaufen kann keine Rede sein, nur wenige Touristen finden den Weg nach My Son an diesem nebligen und feuchten Tag im Dezember.



Nach einem vietnamesischen Kaffee gehts zu Fuss weiter, wir überqueren eine Holzbrücke und besteigen einen der nicht totzukriegenden Geländewagen russischer Bauart, um die letzten drei Kilometer hinter uns zu bringen. Der Weg führt uns durch dichtbewaldetes Gebiet mit wunderschönen Schmetterlingen, deren Flügelspannweite gut mal 20 cm beragen kann.

Die Tempelanlagen der Cham


Nach dem passieren eines letzten Checkpoints sehen wir dicht umgeben von Urwald auf einer kleinen Lichtung die ersten rostfarbenen, von Farn und Moos bewachsenen Tempel. Das neblige, feuchtkühle Wetter an diesem Dezembertag tut der Begeisterung keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Gerade das diffuse Licht verleiht der Gegend einen Touch "Indiana Jones" und man hat fast dauernd das Gefühl, dass wenn man einen der Ziegel oder Skulpturen am richtigen Ort berühren würde, sich unweigerlich ein geheimnisvoller unterirdischer Gang öffnen müsse.

My Son ist ein stiller, geheimnisvoller Ort. Keiner der anwesenden Touristen redet laut, so dass man sich - obschon im Freien, doch eher wie in einer Kirche vorkommt. Ein Vergleich der nicht so abwägig ist, war die Stelle doch seit jeher ein sakraler Ort.




Fussnoten:

Die Datierung der ursprünglich etwa 70 Tempeln geht teilweise bis auf das 4 Jahrhundert zurück. My Son war das spirituelle und kulturelle Zentrum der Cham zwischen dem 4 und dem 13. Jahrhundert. Während die ersten Bauten noch ein Fundament aus Holz hatten, sind die neueren, erhaltengebliebenen Gebäude aus pyramidenförmig angelegten Tonziegeln, was Ihnen die faszinierende rostrote Farbe verleiht, welche markant aus dem umliegenden Grün hervorsticht. Mittlerweile sind noch etwa 20 Tempel erhalten - viele davon wurden während des vietnamesisch-amerikanischen Konfliktes vollständig zerstört. Der vorgegebene Weg sollte nicht verlassen werden - Spuren des Konflikts sind auch heute noch in Form von Minen vorhanden.

Vietnamesischen Kaffee gibt's im ganzen Land. Dabei wird der Kaffee in einem Glas serviert, mit einer kleinen abnehmbaren Filtereinrichtung als Deckel. Nicht zu früh entfernen, sonst gibt's eine nette Überschwemmung.






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