Schnupperkurs Eisklettern: Was dich an deinem ersten Tag am Eis erwartet
Du stehst vor einer senkrechten Eiswand. In der einen Hand ein Eispickel, an den Füssen Steigeisen, am Gurt ein Knoten, den dir vor einer Stunde noch niemand gezeigt hat. Du hebst den Pickel, schwingst, hörst das trockene „tock", wenn das Werkzeug greift. Das ist der Moment, in dem klar wird: Eisklettern lernen ist kein Mythos. Es ist Handwerk.
Dieser Beitrag beschreibt, was im Schnupperkurs passiert, was du dafür brauchst und warum dieser eine Tag ausreicht, um zu wissen, ob du weiterwillst.
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Worum es geht
Der Schnupperkurs Eisklettern ist ein Tageskurs für Einsteigerinnen und Einsteiger. Ziel: Material kennenlernen, Grundtechnik aufbauen, im Top Rope klettern, Sicherungstechnik verstehen. Du brauchst keine Vorerfahrung, aber Trittsicherheit und eine ordentliche Grundkondition.
Dauer | ca. 8 Stunden |
Schwierigkeit | Einsteiger |
Voraussetzungen | Trittsicher, grundsätzliche Fitness |
Was du am Ende kannst | Steigeisen gehen, Pickel setzen, Top-Rope sichern, Achterknoten, Grundlagen Eisschraube |
Saison | Dezember bis März |
Wo der Kurs stattfindet
Der Schnupperkurs findet normalerweise an einem gefrorenen Wasserfall bei Grindelwald statt. Eisklettern hängt aber vom Eis ab, und Eis hängt vom Wetter ab. Wenn die Verhältnisse nicht passen, weicht der Bergführer aus. An dem Tag, von dem dieser Bericht stammt, war das so. Die Bedingungen in Grindelwald liessen keinen sauberen Aufbau zu, also fuhr der Bus nach Engstligenalp ins Adelbodner Hinterland. Dort steht eine künstliche Eiswand: vergleichbare Technik, zuverlässigere Bedingungen, gleicher Lerneffekt.
Das ist nichts, was du als Notlösung verstehen solltest. Es ist Teil dessen, wie Eisklettern funktioniert. Der Bergführer entscheidet morgens, manchmal erst am Treffpunkt, ob der Plan steht oder ob ihr verlegt. Wer mit dem Gedanken kommt, an einer bestimmten Wand klettern zu müssen, bringt sich um den Tag. Wer mit dem Gedanken kommt, Eisklettern zu lernen, lernt es.
Der Ablauf
Treffpunkt und Material Ihr trefft euch frühmorgens. Wenn der Tag nach Engstligenalp führt, fährt der OUTDOOR-Bus von Grindelwald, holt euch auf dem Weg oder an der Talstation Unter dem Birg ab. Dort werden Gurt, Pickel, Steigeisen, Helm, Sicherungsgerät und Karabiner ausgegeben, dazu Gondelticket und Eintritt zur Eiswand. Wer keine Hochtourenschuhe hat, mietet sie im Shop.
Anstieg mit der Gondel Die Engstligenalp erreichst du nur mit der Gondel. Auf der Fahrt rauf siehst du die Wasserfälle, an denen normalerweise geklettert wird, eingefroren oder halb eingefroren, je nach Saison. Oben ist eine Hochebene, der Wind ist kälter, die Sicht offen.
Ausrüsten und Gehen lernen Vor dem ersten Klettern lernst du Gehen. Steigeisen sind keine Wandertretminen, sie wollen anders geführt werden als ein normaler Schuh. Der Bergführer zeigt dir Frontalzacken-Technik und die seitliche Variante, du übst auf flachem Eis, bis das Gefühl stimmt. Klingt unspektakulär, ist aber die Basis für alles, was danach kommt.
Pickeltechnik Der Pickel funktioniert nur, wenn du ihn richtig setzt. Zu früh, und du verschwendest Kraft. Zu spät, und das Werkzeug rutscht. Du lernst, wo du anschlägst (nicht in Spalten, nicht an Kanten), wie weit du den Pickel rauszieht, und warum zwei Pickel besser sind als einer.
Knoten und Sichern Achterknoten, Anseilen am Gurt, HMS-Sicherung. Bevor du das erste Mal an der Wand bist, sicherst du den Bergführer am Boden. Er checkt jeden Knoten. Auch beim zehnten Mal. Das gehört zum Standard, nicht zum Misstrauen.
Klettern im Top Rope Jetzt geht es an die Wand. Top Rope heisst: das Seil läuft oben über einen festen Anker, der Bergführer sichert von unten, ein Sturz endet sofort. Das ist die sichere Variante. Sicher heisst nicht harmlos. Du spürst die Höhe, du spürst die Kälte, du spürst, wie schnell die Unterarme aufgehen, wenn du den Pickel zu fest umklammerst. Die meisten machen den Fehler einmal. Beim zweiten Versuch klettert es sich anders.
Ein paar Routen Es gibt verschiedene Linien, einfacher und schwieriger, längere und kürzere. Du wählst, was du angehen willst. Der Bergführer schaut zu, korrigiert die Pickelhaltung, ruft, wenn du zu hoch greifen willst. Nach drei, vier Routen kennt dein Körper die Bewegung.
Eisschraube und Abalakov
Gegen Mittag, wenn die Arme müde sind, gibt es eine Wahl. Entweder du kletterst weiter, mit Fokus auf schwierigere Linien. Oder du lässt dir Eisschrauben und das Abalakov-Gewinde zeigen. Das ist die Technik, mit der man im Eis einen Standplatz baut, ohne dass nach dem Abseilen Material in der Wand bleibt. Du bohrst zwei Löcher in einem definierten Winkel, fädelst Reepschnur durch, knotest ab. Klingt simpler, als es ist. Wenn der Winkel nicht stimmt, hält es nicht.
Niemand erwartet, dass du das nach einem Tag selbständig kannst. Aber du verstehst, was passiert, und wenn du weitermachst, hast du das Bild im Kopf.
Eisklettern
Was du anziehst
Funktionelle, warme Kleidung in Schichten. Ein Baselayer am Körper, eine isolierende Schicht, eine wind- und wasserdichte Aussenschicht. Hosen, die robust sind und nicht aufreissen, wenn der Steigeisen-Zacken sie streift. Bergschuhe mit Steigeisenrand vorne und hinten (steigeisenfest). Wenn du keine hast: im OUTDOOR Shop mietbar.
Handschuhe sind eine eigene Wissenschaft. Zu dünn, und du frierst beim Sichern. Zu dick, und du fühlst nichts. Die meisten nehmen zwei Paar mit: ein dünneres fürs Klettern, ein dickeres für die Pausen. Eine Mütze oder ein Stirnband ist Pflicht. Auch unter dem Helm.
Was du mitbringst
- Rucksack 25–30 Liter
- Trinkflasche oder Thermosflasche
- Snacks und ein richtiges Mittagessen (es gibt keine offizielle Pause, jeder isst nebenher)
- Sonnenbrille (das Eis reflektiert stärker als du denkst)
- Kamera mit Brust- oder Helmhalterung, wenn du filmen willst, beide Hände sind sonst belegt
Praktisches
Parkplätze bei der Engstligenalp sind im Winter dünn. Die Talstation Unter dem Birg hat einen grossen Parkplatz, falls die Tour dorthin führt. Gondelticket und Eintritt zur Eiswand kosten zusätzlich. Beides wird vor Ort entrichtet. Erfahre mehr
Wenn der Kurs in Grindelwald am Wasserfall stattfindet, ist das Setup anders: kurzer Fussmarsch ab dem Treffpunkt, kein Gondel-Aufpreis. Was nicht variiert: die Inhalte, das Material, die Bergführerinnen und Bergführer.
Was du nach dem Tag mitnimmst
Du weisst, wie sich Eisklettern anfühlt. Du weisst, wo deine körperlichen Grenzen liegen. Du hast einen Achterknoten gebunden, im Top Rope geklettert, einen Pickel gesetzt, der hielt. Du erhältst ein Zertifikat zur Teilnahme. Das ist kein offizielles Dokument, aber ein Andenken, das zeigt, dass du den Tag gemacht hast.
Manche kommen einmal, finden es spannend, gehen wieder ihrer Wege. Andere kommen wieder, buchen einen Aufbaukurs, klettern später eigene Linien. Beides ist okay. Der Schnupperkurs ist gemacht, um ehrlich herauszufinden, was für dich gilt.


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