Wetter in Interlaken: Was du wissen musst
Du bist angekommen, über dem Tal hängt eine graue Decke, und dein Programm ist für 14 Uhr gebucht. Die Frage, die jetzt kommt, hören wir täglich: War es das jetzt?
Meistens nicht. Ein Grossteil unserer Angebote findet bei Regen statt, manche sind dann sogar besser. Und was im Tal nach einem verlorenen Tag aussieht, kann 1500 Meter höher blauer Himmel sein.
Kurz vorab
- Das Wetter im Tal sagt wenig über das Wetter am Berg aus
- Verlässlich sind rund zwei Tage Prognose, nicht mehr
- Nutze MeteoSchweiz und Meteoblue, nicht internationale Apps
- Wir entscheiden am Tag selbst und melden uns per Telefon oder WhatsApp
- Bei einer Absage wählst du zwischen Umbuchung, Alternative oder voller Rückerstattung
Direkt zum Thema: Wetter verstehen · Prognosen · Absagen und Rückerstattung · Was bei welchem Wetter läuft · Ausrüstung · Tipps bei Regen · Häufige Fragen
Warum das Wetter hier anders funktioniert
Interlaken liegt auf 570 Metern über Meer, zwischen zwei Seen, umgeben von Bergen. Keine 20 Kilometer südlich stehen Eiger, Mönch und Jungfrau, dahinter Gipfel über 4000 Meter. Auf so kurzer Distanz so viel Höhenunterschied: Das erzeugt sein eigenes Wetter.
Es kippt schnell, in beide Richtungen. Ein Schauer zieht durch, eine Stunde später steht die Sonne über dem Tal. Umgekehrt kann sich ein klarer Morgen bis Mittag zuziehen. Wer drei Tage bleibt, erlebt selten drei gleiche Tage.
Nebel im Tal heisst nicht Nebel am Berg. Besonders im Herbst und Winter liegt oft eine Hochnebeldecke über Interlaken, während es auf Schynige Platte, First oder Schilthorn sonnig ist und du auf ein Wolkenmeer schaust. Wenn das Tal grau ist: nach oben fahren.
Der Föhn mischt sich ein. Dieser warme Fallwind aus dem Süden hebt die Temperatur innert Stunden deutlich an und reisst den Himmel auf. Er bringt aber kräftige Böen, die vor allem Angebote in der Luft und auf dem Wasser betreffen.
Das Wetter von gestern wirkt bis heute. Starke Niederschläge lassen Bäche und Flüsse anschwellen. Das kann eine Canyoning-Tour am Folgetag verhindern, auch bei Sonnenschein. Beim Rafting ist es umgekehrt: mehr Wasser, mehr Erlebnis.
Im Winter kommen Schneefallgrenze, Lawinensituation und der Betrieb der Bergbahnen dazu. Bei starkem Schneefall oder erhöhter Lawinengefahr passen unsere Bergführerinnen und Bergführer die Tourenplanung an oder weichen in ein anderes Gebiet aus.
Prognosen richtig lesen
Die häufigste Enttäuschung entsteht nicht durch das Wetter, sondern durch die Wetter-App.
Internationale Wetterdienste rechnen mit globalen Modellen, deren Rasterweite mehrere Kilometer beträgt. In flachem Gelände funktioniert das gut. In einem Alpental, das in einer einzigen Rasterzelle 3000 Höhenmeter unterbringt, funktioniert es schlecht. Die App zeigt dir einen Mittelwert aus Talboden und Gipfel, und der stimmt für keinen von beiden.
Diese Quellen empfehlen wir:
MeteoSchweiz ist der offizielle Wetterdienst der Schweiz. Feines Modellraster, verlässliche Warnungen bei Gewitter, Sturm und Starkniederschlag. Kostenlos und für die Schweiz die beste Grundlage.
Meteoblue liefert Punktprognosen mit Meteogramm und zeigt, wie einig sich verschiedene Modelle sind. Laufen sie auseinander, weisst du: Die Prognose ist unsicher. Das ist ehrlicher als eine einzelne Sonnenikone.
SRF Meteo für den Überblick über die Grosswetterlage und die kommenden Tage.
Webcams sind der Realitätscheck. Harder Kulm, Grindelwald First, Schilthorn und Jungfraujoch zeigen, wie es gerade wirklich aussieht. Fünf Sekunden Webcam schlagen jede Prognose.
Die Zwei-Tage-Regel: Auch gute Prognosen sind in diesem Gelände nur etwa zwei Tage im Voraus verlässlich. Alles darüber hinaus ist Tendenz, keine Aussage.
Plane deshalb einen Puffertag ein und lege wetterkritische Angebote wie Skydive möglichst früh in deinen Aufenthalt. Was du an welchem Tag buchen kannst, siehst du direkt in der Verfügbarkeit auf der jeweiligen Angebotsseite.
Wie wir bei Schlechtwetter entscheiden
Unsere Angebote sind wetterabhängig. Hier steht, wie der Prozess abläuft, damit du weisst, woran du bist.
1. Wir beobachten laufend. Unsere Bergführerinnen und Bergführer, Canyoning-Guides, Tandem-Piloten und Bootsführer verfolgen die Entwicklung permanent, dazu Wasserstände, Windprognosen und im Winter die Lawinensituation.
2. Der Entscheid fällt so früh wie möglich, oft aber erst am Morgen. Je nach Angebot lässt sich eine verlässliche Beurteilung erst am Tag der Durchführung treffen, teilweise erst wenige Stunden vor dem Start. Eine Prognose 24 Stunden im Voraus wäre hier oft schlicht falsch. Wir sagen lieber spät und richtig ab als früh und unnötig.
3. Wir melden uns telefonisch oder per WhatsApp. Deshalb der wichtigste Punkt auf dieser Seite: Hinterlege bei der Buchung eine Nummer, unter der du in Interlaken tatsächlich erreichbar bist. Prüfe Roaming und Datenverbindung.
4. Kein Anruf bedeutet: Es läuft. Hörst du nichts von uns, findet die Aktivität wie geplant statt oder der Entscheid steht noch aus. Erscheine im Zweifelsfall zum vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt.
5. Können wir nicht durchführen, hast du die Wahl: Umbuchung auf einen anderen Termin, Wechsel auf ein anderes Angebot oder vollständige Rückerstattung.
6. Auch unterwegs kann abgebrochen werden. Verschlechtern sich die Bedingungen, entscheidet das Team vor Ort. Sicherheit geht in jedem Fall vor. Wir suchen dann eine Alternative oder passen das Programm an.
Bei Angeboten unserer Partner gelten deren Abläufe. Paragliding und Hanggliding buchst du über Partnerbetriebe, deren Tandem-Piloten selbst über Durchführung und Absage entscheiden und dich direkt kontaktieren.
Was du selbst absagen willst: Kostenlose Annullationen sind bis 48 Stunden vor Beginn möglich, bei Bergsportangeboten und Outdoor-Events bis 30 Tage vorher. Details stehen in unseren AGB. Eine Annullationsversicherung ist Sache jedes Gasts und in der Regel eine gute Idee.
Was bei welcher Wetterlage läuft
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil jedes Angebot auf etwas anderes reagiert. Nicht alles hängt am Regen, oft entscheiden Wind, Sicht oder Wasserstand.
Wasseraktivitäten laufen fast immer. Rafting auf Lütschine und Simme, Canyoning und Jetboat finden bei Regen statt. Du trägst Neopren und bist ohnehin nass. Kritisch wird es bei Gewitter, und beim Canyoning beim Wasserstand: Nach ergiebigen Niederschlägen kann eine Schlucht auch bei Sonnenschein gesperrt sein. Beim Rafting ist mehr Wasser dagegen meist ein Gewinn.
Skydive braucht klare Bedingungen. Kein Sprungbetrieb bei Regen, tiefen Wolken sowie starkem oder böigem Wind. Entscheidend ist die Wolkenbasis: Es braucht Höhe zwischen Absprung und Wolkendecke sowie freie Sicht auf die Landezone. Genau deshalb fällt der Entscheid hier sehr kurzfristig. Eine stabile Wolkenlücke am Vormittag reicht manchmal aus, während der Nachmittag ausfällt.
Bungee Jump, Canyon Swing und Seilpark reagieren auf Wind und Gewitter. Leichter Regen ist kein Problem, starker Wind und Gewitter dagegen schon.
Am Fels entscheidet die Nässe. Outdoor-Klettern und Klettersteige brauchen trockenen Fels: weniger Reibung, höheres Risiko, dazu Blitzschlaggefahr an exponierten Stellen. Diese Touren fallen schneller aus als Wasseraktivitäten.
Im hochalpinen Gelände wird verschoben statt improvisiert. Bei Gletscherwanderungen, Gipfeltouren und Hochtouren geht es um Sicht, Orientierung, Spaltensicherheit und ein verlässliches Wetterfenster. Bei schlechtem Wetter sagen wir diese Touren in der Regel ab oder verschieben sie. Eine Tour bei schlechter Sicht durchzuziehen ist weder sicher noch schön.
Wandern geht bei fast jedem Wetter. Mit passender Ausrüstung ist Regen kein Hindernis. Angepasst wird bei Gewitter oder wenn die Sicht die Routenwahl einschränkt.
Im Winter zählt die Lawinensituation. Schneesportunterricht und Schlitteln laufen bei Schneefall problemlos, das ist der Normalfall. Bei Skitouren, Freeride und Schneeschuhtouren entscheidet die Lawinensituation über Route und Gebiet. Eisklettern hängt zusätzlich stark an der Temperaturentwicklung.
Indoor und Schlucht laufen immer. Gletscherschlucht Grindelwald, Indoor Seilpark Grindelwald und Indoor-Klettern sind wetterunabhängig.
OUTDOOR Adventures Interlaken
Was bei Regen besser ist
Rafting. Höherer Wasserstand, stärkere Strömung, mehr Wellen.
Canyoning. Du bist im Neopren, im Wasser, in einer Schlucht. Ob von oben Regen kommt, merkst du nach fünf Minuten nicht mehr.
Gletscherschlucht Grindelwald. Bei Regen führt die Lütschine mehr Wasser, die Schlucht wird lauter und eindrücklicher.
Wandern. Leere Wege, gedämpftes Licht, Wald der anders riecht. Ruhiger als jeder Sonnentag.
Richtig ausgerüstet
Das Schichtprinzip schlägt die dicke Jacke. Drei dünne Lagen sind wärmer, trockener und flexibler als eine dicke. Du kannst regulieren, statt zu schwitzen oder zu frieren.
Keine Baumwolle. Sie saugt sich voll, trocknet langsam und kühlt aus. Funktionsfasern oder Merinowolle trocknen schnell und wärmen auch feucht.
Eine Hardshell gehört in den Rucksack. Leicht, klein einrollbar, winddicht. Das Kleidungsstück, das am seltensten gebraucht und am schmerzlichsten vermisst wird.
Regenhülle für den Rucksack, oder wenigstens ein Trockensack innen für Handy, Powerbank und Wechselkleidung.
Wechselkleidung im Auto oder im Hotel. Nach einer nassen Aktivität ist trockene Kleidung mehr wert als jedes Souvenir.
Schuhe passend zur Aktivität. Für Bergsport: knöchelhoch, gutes Profil, eingelaufen. Neue Schuhe am ersten Tag sind eine schlechte Idee.
Für die meisten Wasseraktivitäten erhältst du Neopren, Helm, Schwimmweste und Schuhe von uns, bei Bergsporttouren die technische Ausrüstung. Was du selbst mitbringen musst, steht auf der jeweiligen Angebotsseite. Was fehlt, findest du in unserem Millet Store in Grindelwald, inklusive Mietmaterial für den Winter.
Was du bei Regen in Interlaken machen kannst
Buchbar und wetterfest: Rafting auf Lütschine oder Simme, Canyoning, Jetboat, Gletscherschlucht Grindelwald, Indoor Seilpark Grindelwald und Indoor-Klettern.
Und wenn du einen Tag ohne Programm füllen willst:
- Nach oben fahren. Bei Hochnebel ist die Fahrt auf Schynige Platte, First, Schilthorn oder auf den Harder Kulm oft der beste Zug des Tages.
- Bahnfahren. Die Strecken durchs Berner Oberland und über den Brünig sind auch bei Regen sehenswert. -> Fahrplan
- Baden. Hallenbäder und Wellnessangebote in der Region.
- Kulinarik. Käserei, Schokolade, lange Mittagessen. -> Funky Chocolate Club
- Museen und Ortsbesuche. Ballenberg, Thun und Bern sind in Reichweite.


